Philippe Heitz

«Our Comfortzone Is Our Prison»

Erstellt: 22.09.2017
Veröffentlicht in: Menschen

In unseren Breitengraden muss niemand mehr Feuer entfachen, um kochen zu können. Wir sind versorgt. Und genau darum haben immer mehr Leute «den Traum von Wildnis». «Aber bevor sie losziehen», meint Philippe Heitz, «müssen sie erst die Prinzipien der Natur verstehen».

Was das bedeutet, zeigt der Survival-Guide in einem Bushcraft-Workshop am 14. Oktober bei Transa in der Europaallee: Paracord knüpfen, Feuer machen, Messer schleifen. Denn erst, wenn man etwas verstanden hat, kann man improvisieren. Hier geht's zur Anmeldung

Auf Wunder ist kein Verlass.
Als kleiner Junge wohnte Philippe im Elsass über einem «Tante Emma» Laden. Und überlegte sich: Wenn es diesen Laden morgen nicht mehr gibt, müssen wir alles selber machen. Er bastelte Schnur aus Gras. Als er 13 war, schenkte ihm sein Vater das Buch «Auf Wunder ist kein Verlass» von Cord Christian Troebst - ein Klassiker der Survival-Literatur. Das Buch birgt Geschichten von Menschen, die in der Wüste, im Busch oder im Wasser ums Überleben gekämpft haben - und was sie dabei richtig oder falsch gemacht haben. Philippe war fasziniert.

Körperlich und geistig fit.
Die Fertigkeit, sich eigene Hilfsmittel zu schaffen um zu überleben - das ist Bushcraft. Philippe hat sein Knowhow in einer Survival-Schule in den USA gelernt - und durch Erfahrung, Erfahrung und Erfahrung. Er ist gerne alleine, wie er sagt, «und am liebsten unterwegs im Kanu». Als ehemaliger Kampfsportler ist er körperlich und mental fit - die wichtigsten Fähigkeiten für das Leben in der Natur. Der ausgebildete Krankenpfleger hat früher Kunden im Transa in Basel beraten.

Vis à vis der Filiale an der Europaallee in Zürich hat in diesen Tagen jemand «Our Comfortzone Is Our Prison» auf eine Baustellenwand gesprüht. Philippe hat den Schriftzug sofort fotografiert: «Die Menschen müssen wieder lernen, auf ihren Instinkt zu hören.» Und solange man in seiner Komfortzone bleibt, braucht man seinen Instinkt nicht. Wir schauen auf Wetteraps, statt aus dem Fenster und haben vergessen, dass die grösste Gefahr draussen «die Kälte ist. Man kann auch bei Temperaturen über Null an Unterkühlung sterben.» Wenn man friert, sollte man sich übrigens so klein wie möglich machen, damit die Kälte weniger Angriffsfläche hat.

Die Wirbelsäule der Outdoor-Bewegung.
Philippe wirkt seit 1987 in der Outdoor-Branche mit. Er kennt die Entwicklung der Survival-Bewegung, angefangen mit den Vorfahren unserer Pfadis, den Boyscouts. Sie haben in England zu Beginn des 20ten Jahrhunderts «Pfadfindermethoden» entwickelt, «learning by doing» ist eine davon. Die breite Gesellschaft wurde Ende der 90er vom Outdoor-Boom erfasst. Der Grund: Das kanadischen Modellabel «Arc’teryx». «Aus dem Lumpenlook, den man auf Touren getragen hat, wurde modische, innovative must-have Funktionskleidung», erinnert sich Philippe. Auf den weltweit ersten dreidimensional geformten Klettergurt folgten ein Rucksack mit thermolaminiertem Rückenpaneel und wasserfesten Reissverschlüsse. «Die Kleider wurden zur Wirbelsäule der Outdoor-Bewegung. Auf einmal wollten alle in die Natur.»

Sicher und schön.
«Es macht glücklich, wenn man selber etwas erschafft.» Deshalb zeigt Philippe in seinem Bushcraft-Workshop, wie man Feuer macht, Messer schleift und Paracord-Armbänder knüpft. Vor allem das Paracord kann eine wichtige Hilfe bei kniffligen Situationen sein: Ein Seil aus Nylonschnüren, ursprünglich als Fangleine bei Fallschirmen gedacht - es ist entsprechend reissfest. Im Workshop lernt man, ein 2.50 Meter langes Paracord-Seil so zu knüpfen, dass man es als Armband tragen kann. Es sorgt für Sicherheit und ist schön anzusehen. Das Abenteuer (im Kopf) kann beginnen.

Sein Wissen hat Philippe auch seinen Kinder weitergegeben: «Ich habe zwei jüngere Mädchen und zwei ältere Jungs. Ich habe alle gleich erzogen, aber nur einer interessiert sich für Outdoor. Nicolas wollte schon mit zwei Jahren im Kanu schlafen». Nun ist Nicolas Heitz der Co-Leiter des Workshops. Wer sollte unbedingt dabei sein? «Alle die es interessiert», sagt Philippe, «und vor allem die, die glauben, dass sie es nicht nötig haben. Denn - wer weiss?»

Am 14. Oktober findet bei Transa in der Europaallee ein Bushcraft-Workshop statt: Feuer machen, Messer schleifen, Paracord knüpfen. Der Workshop wird von Philippe Heitz von Yovager Outdoor-Services geleitet zusammen mit seinem Sohn Nicolas.  Hier geht's zur Anmeldung

www.voyageur-outdoor.ch

Text: Tanja Kummer
Bilder: zvg