Selfie

«Schönheit ist keine Voraussetzung für ein gutes Selfie»

Erstellt: 02.10.2017
Veröffentlicht in: Events

Ein Selfie ist schnell gemacht und schnell gepostet. Und genau so schnell hat man einen Bock geschossen. Oder wie war das mit dem nackten Po, der sich im Hintergrund im Fenster spiegelt?  
Doch wie gelingt ein gutes Selfie? Und welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden? Wir fragen Ellin, Marc und Myriam von mad AVENUE, welche am 18. Oktober in der Europaallee einen Workshop zu diesem Thema leiten werden.
Mehr Infos zum Workshop

Europallee: Welche Porträts der Kunstgeschichte sind für euch «gute Selfies»?

Ellin: Mich fasziniert Frida Kahlo. Sie hat mit ihren Selbstbildnissen ihre Gefühlswelt abgebildet. Leben und Kunst waren nicht trennbar. Man sieht ihren Bildern an, wie sie sich gefühlt hat. 

Marc: Die Porträts von Andy Warhol, zum Beispiel diejenigen von James Dean oder Marylin Monroe. Andy Warhol hat seine Bilder auch verändert, so wie wir Selfies verändern. Damals mit Siebdruck, heute mit Filtern.

Was verbindet die Porträts von früher mit den Selfies von heute?

Ellin: Die Leute haben schon immer dem nachgeeifert, was gerade als  Schönheitsideal gilt. Und die Kunst des «Verfälschens» ist so alt wie die Technik der Selbstabbildung. Früher wollten die Leute mit blassem Teint und glatter Haut porträtiert werden. Heute wollen junge Frauen Lippen wie Kylie Jenner. Die Menschheit ist genau so besessen von Idealen wie früher, nur ist das durch die Publikation der Selfies sichtbarer geworden.

Marc: Ich würde noch einen Schritt weitergehen als das Streben nach einem Ideal. Was ich bei Selfies spannend finde, ist die Überzeichnung, das Plakative - wie eben bei Andy Warhol. Models, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, haben entdeckt, dass sie genau darum gut ankommen. Und auch bei Shootings wird dick aufgetragen und inszeniert. Nehmen wir als Beispiel eine Frisur, die so geflochten wird dass es aussieht, als hätte das Model Kopfhörer auf. 

In welchen Situationen macht ihr Selfies?

Myriam: Ich habe meine Haare abschneiden lassen und ein Selfie mit den viel kürzeren Haaren gemacht und es gepostet.

Marc: Ich mache eigentlich auch nur Selfies, wenn ich beim Coiffeur war. Selfies eigenen sich wunderbar, um Veränderungen zu zeigen. 

Ellin: Ich mache Selfies, um besondere Situationen festzuhalten - auch Gruppenselfies mit anderen Leuten. 

Was soll ein Selfie? 

Marc: Ein Selfie soll einen Moment einfangen. Einen Moment, in dem man sich gut fühlt. Bilder bleiben, Bilder sind Erinnerungen. Selfies macht man in erster Linie für sich und in zweiter Linie um den andern zu zeigen, wie man sich fühlt. Im Workshop vermitteln wir, wie man die Faktoren richtig nutzt, die wichtig sind für ein schönes Selfie: Licht, Hintergrund, Make Up, Frisur und Technik. Schönheit ist keine Voraussetzung für ein gutes Selfie. 

Ellin: Für mich ist ein gelungenes Selfie ein authentisches Selfie. Eines, das zum Beispiel an einem speziellen Ort aufgenommen wurde oder auf eine andere Art aus der Masse herausragt. Ein Selfie muss eine Stimmung vermitteln.  

Gibt es einen simplen Trick für ein gelungenes Selfie? 

Marc: Ja - einen Trick, den nur wenige Leute kennen: Wenn man sich auf dem Display sieht, tippt man einmal auf sich selber, um den Fokus richtig einzustellen. 

Ellin: Es gibt auch klassische Dont’s: Über Selfies mit «Duckface» lacht man heute gerne, genau so wie über den «Fish Gape», bei dem die Wangen etwas eingezogen werden, damit sich der Mund leicht öffnet. Das Stirnrunzeln der Männer ist übrigens das «Duckface» der Frauen. Bei Selfies muss man auch auf den Hintergrund achten - nicht, dass man Dinge sieht, die man gar nicht zeigen wollte.

Selfies werden vor allem bei Instagram gespostet. Wozu braucht man sonst noch einen Instagram-Account? 

Myriam: Ich finde Instagram eine Inspirationsquelle und ein Ort, um sich auszutauschen. Unser Account  @mad_Flechtwerkstatt zum Beispiel ist eine Plattform für geflochtene Frisuren-Ideen geworden. Ich rede beim Workshop im Oktober auch über den wirkungsvollen Einsatz von Hashtags und über grundsätzliches wie das Recht am eigenen Bild. Rechtlich gesehen, darf im Hintergrund eines Bildes niemand erkennbar sein, der nicht eingewilligt hat. Ausser man ist an einem öffentlichen Anlass wie zum Beispiel der Street Parade.

Stimmt es, dass man selber gar nicht beurteilen kann, ob ein Porträt gelungen ist? 

Marc: Das stimmt. Man kann nur eines tun: Die Selbstwahrnehmung schulen. Das heisst, viele Fotos von sich selber machen und sie sich immer wieder ansehen. 

Am 18. Oktober findet bei mad AVENUE in der Europaallee ein Workshop statt: 
«How to make a great Selfie». Die Modefotografin Ellin Anderegg und die Hair- und Make-up Profis / Stylisten von mad HAIRSTYLING zeigen in einem 3-stündigen Workshop wie professionelle Selfies gelingen.
Zur Anmeldung 


Die Interviewpartnerinnen und  - partner: 

Ellin Anderegg war Model und ist Fashion Fotografin. Sie fotografiert auf dem Set und im TV, kennt alle Tricks und gibt Tipps, wie das richtige Licht gesetzt wird und die Komposition eines Bildes wirkt.

Myriam Grubenmann ist Social Media Managerin von mad HAIRSTYLING und Intercoiffure Suisse. Am Workshop gibt sie Tipps zu Instagram, Filter, Hashtags und dem Thema «Accounts markieren»

Marc-M. Menden ist Fashion Director Intercoiffure Schweiz & Europe. Er hat langjährige Erfahrung in Modeshootings und Fashiontrend und zeigt am Workshop zusammen mit Mänz Marc Moser mit dem mad HAIRSTYLING Team das Hair- und Make Up Styling.

Text: Tanja Kummer
Bilder: zvg