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Dirigentin des Vegi-Orchesters.

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«Einen Moment bitte, ich bin gleich wieder da!» Mein Treffen mit Shyama Weber beginnt nach der Begrüssung und einem freundlich offerierten Masala Kaffee mit diesem Satz. Im Verlauf unseres Gesprächs wird Shyama ihn noch diverse Male sagen. Als Geschäftsführerin der frisch eröffneten Hiltl Sihlpost ist ihr Rat und Einsatz an allen Ecken gefragt.

Kompliment, Euer Restaurant ist sehr schön eingerichtet!
Ja, ich bin auch noch ganz hin und weg! Ein Teil des Mobiliars stammt aus den Dreissigerjahren. Unsere lange Bar-Theke etwa besteht aus den hölzernen Schalterelementen der alten Sihlpost. Bei deren Umbau vor gut 15 Jahren konnte Rolf Hiltl einen Teil der Einrichtung übernehmen. Und bei der zehn Meter langen Fallblattanzeige hinter dem Tresen, die jetzt unsere Speisen und Getränke auflistet, stammen die Zahlen und Buchstaben von der historischen Anzeige des Flughafens Köln/Bonn – die Technologie ist jedoch «swiss made» by Omega.

Das Rasseln der Anzeigetafel hat etwas Beruhigendes. Gleichzeitig sieht man viel Personal hinter der Theke und im Laden wirbeln. Wie gross ist Dein Team?
Insgesamt haben wir in der Hiltl Sihlpost knapp 50 Mitarbeitende, pro Schicht sind davon etwa 20 vor Ort. Details wie die Personalplanung oder die Logistik müssen sich bei einer Neueröffnung aber erst einspielen. Auch deshalb ist so eine Projekt irrsinnig spannend...

Du bist offenbar der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens.
Mein Job ist es, den Überblick zu behalten. Ich versuche immer vor dem Mittag zu beginnen und bis abends zu bleiben, so bekomme ich beide Stosszeiten mit. Im Bedarfsfall kann ich überall einspringen.

Bist Du gut im Cocktail shaken?
Ja, ich habe jahrelang in Café und Bars gearbeitet und kann sehr gut Cocktails kreieren. Oder auch exzellenten Kaffee zubereiten. Wir haben im Hiltl den Anspruch, den besten Kaffee in Zürich anzubieten. Deshalb schäumen wir beispielsweise per Hand auf oder bieten auch hausgemachte vegane Schoggi an, wahlweise mit Kuh-, Soja- oder Hafermilch.

Hiltl ist gemäss Guinness World Records das älteste vegetarische Restaurant der Welt. Bist Du selbst auch Vegetarierin?
Ja, ich passe gut hierher (lacht). Ich bin bereits mit 18 Vegetarierin geworden.

Warum?
Fleisch hat mir irgendwann einfach nicht mehr geschmeckt und ich habe gemerkt, dass ich mich ohne fitter fühle. Dabei hat sicher eine Rolle gespielt, dass ich seit meinem 15. Lebensjahr Yoga mache und mir eine gesunde Ernährung und Lebensweise wichtig ist.

Hat Dein Elternhaus dies beeinflusst?
Sicher. Mein Vater war Bühnenmeister im Schauspielhaus in Graz, deshalb gaben sich bei uns zuhause interessante Besucher die Klinke in die Hand. Durch diese habe ich beispielsweise früh Yoga oder auch das Tanzen entdeckt.

Bist Du beruflich von Beginn weg ins Gastronomiegewerbe eingestiegen?
Nein, nach der Schule habe ich daheim in Graz eine Lehre als Bankkauffrau gemacht. Danach bin ich in einer Café-Bar gelandet, an der Front und im Management, weil ich gerne von Menschen, ob Mitarbeiter oder Gäste, umgeben bin.

Musstest Du lange nach einem Arbeitgeber suchen, der kein Fleisch anbietet?
Oh ja! Anfangs war es schier unmöglich. Selbst in Wien, wo ich von 2006 bis 2010 gelebt und ebenfalls in mehreren Café-Bars gearbeitet habe.

Wie bist Du in die Schweiz gekommen?
Ich habe Freunde in Zürich besucht und fand es hier so schön, dass ich 2012 geblieben bin. Mein Geld habe ich zuerst bei Starbucks verdient, nach einem Jahr bin ich dann als Barista ins Haus Hiltl gekommen. Im Haupthaus an der Sihlstrasse habe ich mich über die Schichtleitung zur Bereichsleiterin des Self/Take Aways hochgearbeitet und durfte vergangenen September die Geschäftsführung der Dachterrasse in der Bahnhofsstrasse übernehmen.

Was ist Dir im Umgang mit Deinem Team besonders wichtig?
Ich versuche jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin dreimal täglich ein Kompliment zu machen. Das motiviert sie sehr. Ich finde es extrem wichtig, dass trotz straffer Führung eine familiäre und harmonische Stimmung herrscht. Schliesslich verbringen wir einen Grossteil des Tages miteinander!

Was hast Du in der kurzen Zeit seit Eurer Eröffnung von Euren Nachbarn in der Europaallee mitbekommen?
Gleich zu Beginn haben wir alle Nachbarn zu einem gemeinsamen Lunch eingeladen und sind anschliessend zusammen durch die Europaallee spaziert. Davon ist mir besonders ein Kleiderladen mit speziellen Regenmänteln in Erinnerung geblieben. Und natürlich der Teeladen – ich liebe grünen Tee!

Text und Fotos: Heiko Meyer