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Coiffeur Lukas Suter über seinen Weg in die Europaallee.

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Menschen

 Ein luftiger Raum im New Yorker Loft-Stil, warme Farben, dunkles Parkett, im Zentrum ein zehn Meter langer Holztisch, vor einem Schaufenster drei mächtige Friseurstühle, das andere von einer schwarzen Harley dominiert. Wer den Coiffeur mad Avenue an der Europaallee 37 betritt, hat erst einmal etwas zu schauen. Und wird prompt bedient: „Guten Tag! Was darf es sein? Bitte nehmen Sie Platz! Etwas zu trinken? Lukas kommt sofort.“ Lukas Suter (27) wurde dem Autor ans Herz gelegt, als Mitarbeiter mit bewegtem Lebenslauf. Und da betritt er auch schon die Bildfläche.

Herr Suter, man merkt gleich, Sie sind ein Coiffeur auf Achse…
Das ist so. mad Avenue ist eines von insgesamt drei Geschäften von mad Hairstyling. Zwischen diesen rotiere ich regelmässig.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Ich habe nach der Schule eine Schnupperlehre in einem La Biosthétique-Salon gemacht. Im Anschluss durfte ich dort eine dreijährige Ausbildung zum Coiffeur für Damen und Herren absolvieren. Mit Menschen zu arbeiten und jeweils nach kurzer Zeit ein Resultat zu sehen, macht mir extrem Spass. Ehrlich gesagt, hätte ich mir aber auch jeden anderen Job vorstellen können, der diese Kriterien erfüllt.

Hatten Sie vom Start weg einen guten Draht zu ihren Kundinnen und Kunden?
Absolut. Ich habe unter der Aufsicht eines erfahrenen Lehrmeisters gearbeitet. Wenn lernende Coiffeure ans Werk gehen, dauert es manchmal etwas länger, aber dafür erhalten die Kunden auch Preisnachlässe. Bei mad Hairstyling haben wir ein spezielles Angebot für die New Talent Stylisten: die "fifty%fifty" Stylisten. Sie sind ausgelernt und bilden sich noch neun Monate weiter. Innerhalb dieser Zeit erfahren sie viel Training on the Job, indem sie die jungen Kunden, also Schüler, Lehrlinge und Studierende bis 26 zum halben Preis stylen. Im Moment haben wir vier Mitarbeiter im "fifty%fifty" Team, das ich als Trainer anleite und betreue.

Wie ging es nach Ihrer Ausbildung weiter?
Ich bin für drei Jahre auf die britische Kanalinsel Guernsey gegangen und habe dort gearbeitet – ebenfalls in einem La Biosthétique-Salon. Dort durfte ich erstmals eine Teilverantwortung für die Lehrausbildung übernehmen. Die Insel hat einen speziellen steuerlichen Status, deshalb sind dort besonders viele Finanzdienstleister angesiedelt – und deren Mitarbeitende wollen immer erstklassig frisiert sein.

Sie haben in der Zeit also eher weniger mutige Trendfrisuren kreiert.
Da stimmt. Im Anschluss dafür umso mehr, denn von Guernsey bin ich nach Mykonos gegangen...

Auf die griechische Party- und Promi-Insel...
Genau. Ich habe dort für einen Coiffeur gearbeitet, bei dem unter anderem Nicole Kidman und Jean-Paul Gaultier frisiert wurden. Da war viel Routine gefragt. Wir haben täglich von 8 Uhr bis Mitternacht Kunden für VIP-Anlässe gestylt oder sind mit Vespa und Coiffeur-Koffer zwischen den Beinen ins Luxus-Hotel gedüst, wenn wieder ein Charterflug aus Dubai gelandet ist. Einmal hab ich dem Prinzen von Kuwait die Haare geschnitten. Wen ich da vor mir hatte, erfuhr ich allerdings erst im Nachhinein.

Das tönt nach Stress.
Ja, aber der Job hat auch irrsinnig Spass gemacht. Nach einem halben Jahr wars aber an der Zeit für eine Veränderung: Ich bin nach Toronto in Kanada gezogen, wieder zu einem La Biosthétique-Salon. Mein dortiger Arbeitgeber hatte die Auszeichnung „Grünster Salon Nordamerikas“ und ich habe viel über nachhaltiges Arbeiten gelernt: Sogar Haare haben wir recycelt. Auch bei mad Hairstyling halten wir für jeden Kunden genau fest, wie viel Farbe sie oder er benötigt.

In Toronto ging es also ruhiger zu.
Nicht unbedingt. Denn ich wurde nebenher regelmässig als Hair-Artist engagiert. Dabei war es mein Job, Frisuren für die neuesten Make up-Trends von Mac Cosmetics zu kreieren. Das bedeutete, regelmässig frühmorgens den Flieger nach Los Angeles, Miami oder Las Vegas zu nehmen...

Hatten Sie zwischendurch auch Zeit zum Durchatmen?
Ja, nach dreieinhalb Jahren in Kanada hab ich mir ein Jahr Auszeit gegönnt und bin viel gereist, vor allem durch die USA, Kanada und Mexico.

Und anschliessend energiegeladen zurück in die Schweiz...
Ja, vor meinem Sprung ins Ausland sagte mir mad Hairstyling-Gründer Marc Menden, ich solle ihn unbedingt anrufen, wenn ich zurückkomme. Das hab ich gern gemacht und bin im Mai 2014 hier angedockt. Das Geschäft mad Avenue gibt es seit Dezember 2013.

Was ist speziell an Euch?
Bei uns arbeiten New Talents-Stylisten, die erst ihre Lehre fertig haben neben Top Trend- Stylisten, die über viele Jahre Berufserfahrung verfügen. Alle arbeiten wir nach einem von Marc Menden entwickelten Haarschneidesystem: Das bedeutet, die Haare werden erst trocken in Form geschnitten. Anschliessend wird das Haar in nassem Zustand präzis weiter geschnitten und erhält schliesslich im wieder trockenen Zustand den persönlichen Touch. Wir legen viel Wert auf kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden. Denn die meisten Trends wiederholen sich zwar nach einer bestimmten Zeit – nicht aber die Techniken, wie man sie umsetzt. Wer heute zum Beispiel einen Look aus den 1970-er Jahren trägt, kopiert nicht einfach die damalige Zeitphase. Das ist so wie wenn sich heute jemand ein Schloss baut und dabei anders zu Werk geht, als die Baumeister vor 200 Jahren.

Spüren Sie die Nähe des Geschäfts zum Zürich Hauptbahnhof?
Ja, sehr deutlich! Viele unserer Kunden sind Pendler und es gibt regelrechte Stosszeiten wie im Bahnhof. Auf Voranmeldung haben wir deshalb bereits ab 7 Uhr und bis 20 Uhr geöffnet.

Es heisst, Coiffeure wissen immer die frischesten News und Gerüchte.
Das ist das Schöne im Umgang mit Menschen: Ich bin meist auf dem Laufenden und höre von vielen interessanten Events und Geschichten.

Wie gefällt Ihnen die Europaallee?
Ich empfinde die Europaallee als coole Abwechslung zum Rest der Stadt, da es sehr fest ein "new world feeling" vermittelt. Ich mag den kunterbunten Mix aus Hipstern, Bankern, Familien – und natürlich unsere Nachbarn. Mit den benachbarten Mode-Retailern arbeiten wir regelmässig zusammen für Fashion-Shootings und Mode-Shows.

Was fehlt Ihnen noch in der Europaallee?
Ganz klar bräuchte es mehr Cafés, Bars und Restaurants, um die Mittagspausen abwechslungsreich zu gestalten ohne die Europaallee dafür zu verlassen. Aber mit den neuen Gebäuden wird sich da sicher noch einiges tun.